Outside Paradeplatz

Irrationaler gehts nimmer

Tulpenzwiebeln haben Preise, die kaum zu erklären sind. Noch unerklärlicher ist der Aktienkurs der SNB.

Von Mark van Huisseling

Die grosse Mehrheit der Anleger stützt Entscheide nicht fundamental ab, sondern fällt sie emotional. Was die grosse Mehrheit der Anleger bestreiten würde, natürlich.

Doch «70 bis 80 Prozent aller Entscheide liegt ein emotionaler Bewertungsprozess zu Grunde», sagt Hans-Georg Häusel, ein deutscher Diplom-Psychologe und Hirnforscher. Was uns aber nicht klar sei, sondern als Resultat des Verstands missverstanden werde. Wer mehr darüber wissen möchte, liest sein Buch «Think Limbic!».

Verdoppelung innert Monaten

Wers nicht so hat mit Diplom-Psychologen, sondern lieber prüft, was andere Investoren tun, schaut sich die Entwicklung der Aktie der Schweizerischen Nationalbank SNB an.

Unterschlagen wir mal, weshalb die SNB, die den Kantonen der Eidgenossenschaft gehört und keinen Geschäftszweck hat stattdessen den gesetzlichen Auftrag, die Preisstabilität in der Schweiz zu gewährleisten, überhaupt 40 Prozent ihrer Aktien dem Publikum angeboten hat; diese werden an der Zürcher Börse gehandelt.

Lange ähnelte der Chart der SNB-Aktie dem EEG eines Hirntoten.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2016 stieg der Kurs von rund 1000 auf 2000 Franken, eine Verdoppelung innert weniger Monate also, nachdem er zuvor jahrelang seitwärts verlaufen war – ein Autor des «Swissquote»-Magazins hatte den Chart der SNB-Aktie damals mit dem EEG eines Hirntoten verglichen.

Im folgenden Jahr kam Leben in die Geschichte: Ende 2017 betrug der Kurs 4000 Franken, im ersten Quartal 2018 durchbrach er die 8000er-Grenze, worauf er bis Mitte vergangenen Jahres wieder auf 5000 Franken abstürzte. Zurzeit liegt er leicht unter 6000 Franken.

Tiefe Rendite, dafür garantiert

Noch einmal: Es geht nicht um die Preisentwicklung von Bitcoin, Dotcom-Aktien von Ende der 1990er Jahre oder Tulpenzwiebeln in Amsterdam im 16. Jahrhundert, stattdessen um das Dividendenpapier unserer Notenbank.

Was könnten Gründe dieser «wild swings» sein? Ein Erklärungsversuch ist, seit die SNB Minuszinsen eingeführt hat und man draufzahlen muss, wenn man dem Bund Geld leiht, würden SNB-Aktien an Eidgenossen-Obligationen statt gekauft. Fragt sich bloss, weshalb es fast eineinhalb Jahre dauerte, bis Anleger das merkten – Negativzinsen auf Bundesobligationen gibts seit 2015.

Zurzeit, nebenbei erwähnt, liegt die Dividendenrendite bei weniger als 0,3 Prozent. Doch die ist garantiert immerhin, schliesslich kann die SNB nicht Pleite machen.

Wenig begehrenswerte Aktien

Die Dividende ist so niedrig, weil die Gesetzgeber bei der Gründung der Zentralbank 1906 die Aktien für Privatanleger, die auch nur ein beschränktes Stimmrecht haben, nicht besonders begehrenswert machen wollten. Es ging ihnen mehr darum, der SNB das Vertrauen des Volks verschaffen.

Deshalb darf es sich auch an der Zentralbank beteiligen. Dass Mitglieder des Volks sowie ein paar Ausländer – 2018 hielt etwa ein Deutscher über 5 Prozent der Aktien und war damit der zweitgrösste SNB-Mitbesitzer, nach dem Kanton Bern – so irrational handeln würden, daran haben sie wohl einfach nicht für gedacht.

Mark van Huisseling ist selbstständiger Journalist, Autor und Anleger. Hier beschreibt er, wie er
Mark van Huisseling ist selbstständiger Journalist, Autor und Anleger. Hier beschreibt er, wie er Stevan Bukvic

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